Unsere Schulhistorie

Ein starker Typ mit dicker Zigarre

Freiherr gab Rheinbabenschule den Namen

Warum heißt die Rheinbabenschule eigentlich so, wie sie heißt? Die ehemalige Schulleiterin Brigitte Nölting und Elsbeth Müller von der Historischen Gesellschaft haben nachgeforscht und stießen auf Georg Kreuzwendedich Freiherr von Rheinbaben (1855-1921) – einem berühmten Politiker, der gern dicke Zigarren rauchte.

Erste Nachforschungen im Internet hatten zu einem entfernten Nachkommen des Politikers in Köln geführt. Der verwies das Forscherteam an Richard Freiherr von Rheinbaben in Starnberg – den Urenkel. „Wir freuen uns immer wieder, wenn wir unseren Familiennamen in öffentlichen Institutionen wiederfinden“, schrieb er an die Schule. In aller Regel sei der Namensgeber sein Urgroßvater, der in Preußen wie auch im Rheinland eine große Rolle gespielt habe. Tatsächlich war Georg von Rheinbaben eine imponierende historische Gestalt. 1855 geboren, studierte er Jura, Staatswissenschaften und Geschichte in Heidelberg und Berlin. Nach einem Dienstjahr bei den Ulanen kam er als Regierungsassessor ins Staatsministerium nach Berlin. Später ging er nach Schleswig, wo er seine spätere Ehefrau Hedwig Freiin von Liliencron kennenlernte. Doch schnell holte man ihn nach Berlin zurück. Inzwischen befördert zum Geheimen Oberfinanzrat, plante* er große Kanalbau-Projekte. Mit 40 Jahren wurde er 1896 Regierungspräsident in Düsseldorf. Drei Jahre hat er an Rhein und Ruhr erfolgreich gearbeitet. Doch damit war sein Aufstieg noch nicht beendet. Am 2. September 1899 ernannte ihn Kaiser Wilhelm II. zum preußischen Innenminister. Schon ein Jahr später brachte er das Fürsorgeerziehungsgesetz durch, mit dem die Resozialisierung gefährdeter Jugendlicher geregelt wurde.

Tatkräftig kümmerte er sich auch um die Versorgung von geistig behinderten Menschen. 1901 wurde er überraschend zum Finanzminister ernannt. Aus dieser Zeit stammt der Text, den Fürst Bülow über ihn schrieb:

„Rheinbaben war ein unermüdlicher Arbeiter, der – immer eine starke Zigarre im Mund – stundenlang an seinem Schreibtisch seine Akten bewältigen konnte, ein ausgezeichneter Redner, mit dem es an Schlagfertigkeit und Schwung wenige aufnahmen. Ein offener, unerschrockener, nobler Charakter. Weniger mit seinen Anschauungen als mit seinem Herzen stand er weit rechts, und das beeinträchtigte bis zu einem gewissen Grade für mich seine politische Verwendbarkeit. Aber niemand konnte Georg von Rheinbaben kennenlernen, ohne ihn liebzugewinnen.“

Politisch setzte sich der Freiherr vor allem in der Ostmarkenfrage durch, der Ansiedlung deutscher Bauern in Posen und Westpreußen. Zwei Monate reiste er durch Nordamerika. 1910 legte er auf eigenem Wunsch das Ministeramt nieder und wurde Oberpräsident der Rheinprovinz. Im Ruhestand zog der Ehrendoktor und Träger zahlreicher Orden wieder nach Düsseldorf, wo er 1921 in einem Ehrengrab beigesetzt wurde. Seinen Namen tragen die Rheinbaben-Allee in Berlin, die Rheinbaben-Rheinbrücke in Wesel, die einstige Zeche Rheinbaben, die Rheinbabenwerkstatt in Bottrop und eben auch die Grundschule Rheinbaben an der Aegidistraße.

Wie kam es zur Schulgründung?

1863 wurde die Kohlenzeche eröffnet, die später auch unserer Schule ihren Namen gab, die Zeche Rheinbaben. Die Zeche gab vielen Menschen hier Arbeit und Brot. Viele Arbeiter kamen aus armen Gegenden, vor allem aus Osteuropa, die meisten aus Polen. An vielen Bottroper Namen kann man heute noch erkennen, dass die Vorfahren aus Osteuropa gekommen sind.

Die Zeche sorgte für die Wohnungen der Arbeiter. Es wurden die berühmten Zechenhäuser gebaut. Es entstanden die Zechenkolonien. Die Arbeiter hatten Familien, Frauen und Kinder. Deshalb musste natürlich auch so schnell wie möglich eine Schule her – die Rheinbabenschule entstand.

Die Entwicklung des Schulgebäudes

Am 1. April 1903 wurde in einem Koloniehaus an der Ecke Liebrechtstraße/Aegidistraße die evangelische Rheinbabenschule gegründet. Es gab zunächst eine Klasse mit 50 Kindern aller Jahrgangsstufen und einem hauptamtlich beschäftigten Lehrer. Aber schon im Laufe eines Schuljahres steigerte sich die Kinderzahl bis 1904 auf 100 Kinder, so dass Halbtagsunterricht eingerichtet werden musste.

Das bedeutete, dass ein Teil der Kinder morgens unterrichtet wurde, der andere Teil nachmittags. Als am 07.12.1904 die zweite Lehrkraft eintraf, besuchten bereits 147 Kinder die Schule.

Am 12. Dezember erfolgte der Umzug in ein neues Schulgebäude (heutige Gebäude), das aber nur 3 Klassenräume und eine Lehrerwohnung umfasste. Von nun an stieg die Kinderzahl derart, dass bis zum Jahre 1912 zwei Anbauten notwendig wurden.

Der 2. Weltkrieg brachte große Zerstörungen der Schule mit sich, die noch vergrößert wurden, als die Schule nach einem Bombenangriff zur Notwohnung freigegeben wurde.

Nach dem 2. Weltkrieg am 13.09.1945 wurde der Schulbetrieb jedoch schnell wieder aufgenommen. Im Februar kehrten Lehrer und Kinder ins heutige Schulgebäude zurück. Im November 1997 wurde ein weiterer Anbau bezugsfertig, den 3 Klassen nutzen können. Am 9. September 2001, am Tag des Denkmals, wurde die Denkmalsurkunde verliehen. 2022 entstanden ein neues OGS-Gebäude auf dem Schulgelände und ein Familiengrundschulzentrum. 2023 wurden zwei Schulgärten (grünes Klassenzimmer) errichtet. 2025 wurden alle Gebäude kernsaniert und teilweise von innen umgebaut (neue Förder- und Differenzierungsräume, Motorikraum). Dadurch erreichte das Hauptgebäude der Rheinbabenschule seine heutige Gestalt mit 16 Klassen- und Förderräumen.